Fienholds Kolumne für Leute, die sich schon immer mal etwas ganz besonderes mixen lassen wollten

Barkeeper Bischoff beeindruckt mit brillanten Drink-Ideen


Presse: Demarchi Bar

Wunder-Bar, Sonder-Bar, Wandel-Bar – mit mehr oder weniger originellen Namen ist man schneller zur Hand als mit neuen Ideen zur Belebung der Barkultur. Eine Bar hat jedoch nicht nur etwas mit dem Verkauf von Flüssigkeiten zu tun, eine Bar muss Emotionen vermitteln. Die einen wollen sich wohlfühlen und ein Stück Heimat finden, bei anderen muss es perlen und knistern, ein Hauch von Erotik im Raum stehen. Manch einer sucht einfach nur einen perfekten Drink oder ein letztes Glas im Stehen. Eine gute Bar ist eine Mischung von alldem und höchst selten zu finden. Der Barmann des Vertrauens muss Charakter haben, diskret sein und auch mit schwierigen Gästen umgehen können.

Jimmy’s im Hessischen Hof ist eine Bar für Erwachsene, die auch vielen Gastronomen Heimat bedeutet. Klassisch orientiert ist außerdem die Bar im Westin Grand an der Konstablerwache, während die im Hotel Maritim an der Messe durch ein munteres Musikprogramm und ebensolche Gäste auffällt. Die Turmbar in der Gerbermühle ist mit ihren Natursteinwänden, Ledersesseln und der angenehm gedämpften Ausleuchtung von stark optischem Reiz, die Bar der King Kamehameha Suite in der Innenstadt hat mit Davide einen soliden Keeper, der zuvor im Biancalini für gute Drinks sorgte. Trend-Bars hat Frankfurt indes (bislang) nicht zu bieten, Lokale, in denen der Zeitgeist nicht nur nachgeschüttelt wird, sondern richtungweisend aus den Shakern steigt. Die gefragtesten Treffpunkte weltweit sind Sky-Bars, ultraschick gestaltete Plätze über den Wolken mit grandioser Aussicht. So wie das Aqua in Hongkong, Vu’s in den Emirates Towers in Dubai, Cloud 9 im über 400 Meter hohen Jin Mao Tower in Shanghai (dagegen wirkt selbst die aussichtsreiche Bar im Maintower beinahe kleinmütig). Die Biancalani-Bar im Florentinischen Viertel am Sachsenhäuser Mainufer ist zwar eine eher geerdete Adresse, doch mit den Drinks greift man nach den Sternen. Jedenfalls weckt der neue Barkeeper Philip Bischoff große Hoffnungen, weil er eine Karte vorlegt, die innovative Ideen zeigt. Vor allem aber vermag der 27 Jahre alte smarte Berliner diese versiert umzusetzen. Er hat hervorragende Drinks der Liquid Kitchen auf Lager, kennt die Vorzüge von Antioxidant- Cocktails und weiß die oft wild gewordenen internationalen Trendmixturen mit seiner Geschmackssicherheit wieder in die Balance zu bringen. Der Cocktail „Wild Kitchen“ besteht unter anderem aus Zitronengras, Ingwer, Gin Bombay Sapphire, Mangosirup, Mandelsirup, frischem Zitronensaft und Apfelsaft.

Endlich setzt in Frankfurt auch jemand mal Sake ein – beim Sake Rosemartini einen trockenen Kubota Senju, der gemeinsam mit Grand Marnier, Zitronensaft, kaltgeschleudertem Sonnenblumenhonig und Rosmarin im Martiniglas serviert wird. Großartig im Geschmack und präzise in der Kombination begeistert der 1745 Fashioned. Im Tumbler vermählen sich frischer Salbei, selbstgemachter Vanille-Zucker, Wildblütenhonig, Aromatic Bitter, Orange Bitter, Drambui und goldfarbener Rum. Ungewöhnlich der Ancient Sour: 18 Jahre alter Single Malt von Glenfiddich, Zitronensaft, Gravensteiner Apfelgelee, ein Spritzer Eiweiß. Die alkoholische Ergänzung zur Küche von unserem neuen Drei-Sterne-Koch Juan Amador nennt sich Manhattan Cherry Twisted und besteht aus Wildkirsch-Espuma, Bourbon Woodford Reserve, Aromatic Bitter, Carpano’s Antica Formula (italienischer Bitter-Aperitif aus Wein und Gebirgskräutern nach einem Rezept von 1786). So schmeckt Barkultur vom Besten.

Zurück